Als erster eigener Personal Computer leistete vor vielen Jahren ein von der väterlichen Dienststelle ausgemustertes Toshiba T2000SXe Laptop über eine lange Zeit hervorragende Dienste. Damals wurden über den Parallelport (USB gab es zu der Zeit noch nicht) gleichzeitig (!) ein CD-Laufwerk im externen 5,25 Zoll Gehäuse, ein 100 MB ZIP-Laufwerk und ein HP Laserjet 4L angeschlossen.
Als daher nun ein gebrauchtes Exemplar sehr günstig online angeboten wurde, wurde dies aus nostalgischen Gründen erworben. Dabei sollte sehr ergebnisoffen an dieses Projekt herangegangen werden: Das Alter des Laptops machte einen Betrieb der alten Hardware nahezu unwahrscheinlich, da nicht nur Festplatte (Schreib-/Leseköpfe), Diskettenlaufwerk (Gummiriemen an den Antribesmotoren) und Display (Hintergrundbeleuchtung), sondern auch Kondensatoren auf dem Mainboard die lange Zeit nur sehr selten unbeschadet überstehen.
Als das Laptop schließlich ankam, stellt sich schnell heraus, dass an einen Laptop-Betrieb nicht zu denken war: Das Gerät war bereits "bearbeitet" worden, alle Komponenten abgesteckt und selbst das Akkugehäuse sauber geöffnet. Hauptproblem war hier wohl der Stromanschluss, der nicht funktionierte, weder über die DC IN Buchse (18V), noch über die Akkuanschlüsse (14,4V). Bis auf die Festplatte, die tatsächlich an einem USB-IDE-Adaüter anlief und auch im Gerätemaneger erkannt wurde, konnten daher mangels Anschlussmöglichkeiten keine der anderen Hardwarekomponenten des Laptops getestet werden.
Ein Laptop-Upcycling wie im Projekt T1800Pi sollte diesmal nicht durchgeführt werden. Stattdessen war die Idee, aus dem Laptop einen dekorativen Blumentopf zu gestalten und das ehemalige Display in einen Bilderrahmen zu verwandeln. Als technisches Gimmick sollte die originale LED-Statusanzeige in Verbindung mit einem Feuchtigkeitssensor zu einer Anzeige der Bodenfeuchtigkeit umfunktioniert werden, die durch einen Tastendruck des ehemaligen Ein-/Ausschalters ausgelöst werden kann. Später kam noch die Idee dazu, per WLAN ebenfalls die Bodenfeuchtigkeit zu messen und prozentgenau anzuzeigen.
Zunächst wurde das T2000SXe Laptop vollständig "entkernt": Mit Ausnahme der LED-Statusanzeige wurden sämtliche elektronischen Komponenten aus dem Rumpf, dem Deckel und dem Akkufach des Leptops entfernt:
Als nächstes wurden alle Öffnungen des Geräts mittels passend zusammengesteckten Klemmbausteinen verschlossen und mit Heißkleber befestigt. Darüber hinaus wurde das Verbindungskabel zur LED-Statusanzeige auf exakt 20 Pins zurechtgeschnitten (hierbei wurden 2 Pins entfernt, die nicht mit den LEDs verbunden sind) und anschließend an die Adapterplatine (Streifenraster 1,0 mm auf Dupont-Steckerleiste) angeschlossen. Bei den Tests wurde festgestellt, dass einige LEDs einen gemeinsamen Minuspol, die meisten LEDs jedoch einen gemeinsamen Pluspol besitzen, was bei der Programmierung zu beachten war:
Im nächsten Schritt wurden der Boden-Feuchtigkeitssensor und der Taster/Endschalter eingebaut: Der Feuchtigkeitssensor wurde zwischen zwei Klemmbausteinreihen so mittels Heißkleber befestigt, dass die Sensorarme in den vorderen Bereich der Laptops (Blumentopf) hineinragen, während der Taster so mit Heißkleber fixiert wurde, dass er durch den originalen Ein-/Austaster der Laptops aktiviert werden kann:
Der Mikrocontroller sollte so untergebracht werden, dass ein einfacher Zugang möglich ist, ohne das (bepflanzte) Laptop vollständig zerlegen zu müssen. Die Wahl fiel hier auf das alte Modem-Erweiterungsfach auf der Unterseite des Laptops, dessen Deckel mit lediglich zwei Schauben befestigt ist. Das Modem-Erweiterungsfach bitete genug Platz für alle Kabel (LED-Statusanzeige, Feuchtigkeitssensor, Taster) und die WLAN-Antenne, die mittels Klebepad an die Oberseite des Erweiterungsfachs angeklebt wurde. Der auf den Fotos abgebildete Akku wurde später wieder entfernt. Auch das hier noch sichtbare Mini-Breadboard wurde später gegen eine Lochrasterplatine im Bradboard-Format getauscht, um Kontaktprobleme zu beheben:
Schließlich wurde das Gehäuse wieder zusammengeschraubt, wobei der Tastaturrahmen - nun ohne die Tastatur mit den Schraubbefestigungen - lediglich aufgesteckt werden konnte. Von der Elektronik sind nur noch die beiden Sensorarme sichtbar, die im den "Blumentopf-Bereich" der Laptops die Bodenfeuchtigkeit messen sollen:
Nach den technisch-elektronischen Arbeiten wurden die beiden Sternmoos-Pflanzen in den "Blumentopf-Bereich" des Laptops gepflanzt; verbleibende Hohlräume wurden mit Blumenerde aufegfüllt. Das Gießen stellte zunächst eine Herausforderung dar, da der "Blumentopf-Bereich" nicht wasserdicht ist: Hier mit einer Folie zu arbeiten, wäre für ein weiteres, ähnliches Projekt eine wichtige Ergänzung. Zum Schluss wurde ein passendes Foto - hier: eine Gottesanbeterin (Mantis religiosa) - auf 120g Papier gedruckt, laminiert und in das ehemalige Display mittels Kreppband eingeklebt. Der so entstandene Bilderrahmen ist von einem "echten" Bildschirmfoto kaum zu unterscheiden:
Wie bereits erwähnt, wurde der Akku als Stromversorgung entfernt; stattdessen wurde sowohl für die Stromzufuhr (z.B. mittels Powerbank) als auch zur Programmierung eine USB-B Anschlussbuchse in das ehemalige Akkugehäuse eingebaut, welches über ein kurzes Anschlusskabel und einen USB-C auf Micro-USB Adapter mit dem Mikrocontroller verbunden ist. Das fertige Programm mit Feuchtigkeitsmessung per Knopfdruck und per Webserver kann (hier) heruntergeladen werden:
Die ergebnisoffene Herangehensweise hat zu einem Projektergebnis geführt, welches so vorher nicht zu erwarten war: Elektronik, sonst die Hauptsache in vielen der hier dargestellten Projekte, wird reduziert zu einem praktischen Nebeneffekt, während sich das ehemalige Laptop insgesamt in ein dekoratives Zimmer-Assecoire mit Nostalgie-Charakter verwandelt.